Samstag, 30. Juni 2012

Kontrollierte Naturkosmetik und Tierversuche

Vor ein paar Wochen expandierte Urban Decay nach China und verlor infolgedessen die "cruelty-free" Zertifizierung des "Leaping Bunny" Programms, da die chinesische Gesetzgebung Tierversuche für Kosmetik vorschreibt. Dieser Schritt sorgte für grossen Aufruhr in der Community. Auch ich reagierte enttäuscht und frustriert.

Und während ich mit Urban Decay eine weitere konventionelle Kosmetikmarke aus meinen Wunsch- und Einkaufslisten gedanklich verbannte, füllten sich mein Bad und mein Schminktisch immer mehr mit Naturkosmetikprodukten. Mit zertifizierter Naturkosmetik fühlte ich mich auf der "sicheren" Seite. Ich vertraute auf Naturkosmetiksiegel, wie die von BDIH oder Natrue, denn ich war überzeugt, dass sie unter anderem das Kriterium der Tierversuchsfreiheit beinhalten.

Bei einer Diskussion auf Blanc et Noir machte LPunkt darauf aufmerksam, dass einige der deutschen Naturkosmetikhersteller ihre Produkte auch in China anbieten. Nach kurzer Internetrecherche stellte ich fest, dass sowohl Weleda als auch Lavera, Logona und Börlind auf ihren Websites Adressen von chinesischen Niederlassungen oder Partnern angeben. Gleichzeitig sind sie alle entweder von BDIH oder von Natrue zertifiziert, soweit mir bekannt.

Ich muss zugeben, dass diese Entdeckungen grosse Zweifel in mir weckten. Ich bin etwas verwirrt und weiss nicht so recht, wie all das einzuordnen ist. Nach meinem derzeitigen Informationsstand müsste ich davon ausgehen, dass die Siegel von BDIH und Natrue keineswegs mit dem "Springenden Hasen" gleichzusetzen sind, was die Frage der Tierversuchsfreiheit angeht.

Etwa vor einer Woche schrieb ich die "betroffenen" Firmen sowie den BDIH an mit der Hoffnung, die Antworten würden ein wenig Licht in mein verunsichertes Hirn reinbringen. Bisher bekam ich leider nur eine Standardantwort von Weleda, in der auf meine konkrete Frage nicht wirklich eingegangen wurde. Der Rest der Angeschriebenen schweigt sich bislang aus.

Sofern ich etwas Neues höre, lese oder erfahre, werde ich selbstverständlich darüber berichten.
Die Hoffnung auf eine Klärung gebe ich nicht auf. Bis dahin bleibt mein Gefühl diesbezüglich trotzdem ein Mulmiges.

Eure Meinungen zu diesem Thema würden mich sehr interessieren. Vielleicht habt Ihr sogar Informationen oder Argumente, die meine Zweifel aus der Welt schaffen könnten? oder im Gegenteil, sie bestätigen?


Kommentare:

  1. Hm, ich weiß nicht. Nur weil die Firmen auch Niederlassungen in China haben, müssen sie ja nicht unbedingt an Tierversuchen interessiert sein. Vielleicht wollen sie einfach den Markt erobern und ihre Produkte auch dort an den Mann bringen :)

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    1. Geht ein Unternehmen nach China, so erlauben sie den chinesischen Behörden Tierversuche an ihren Produkten durchzuführen. Keine Firma kann diese Regelung umgehen ...

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  2. Derzeit gilt für Kosmetik-Unternehmen, die in China verkaufen wollen die Plicht, Tierversuche an ihren Produkten durch China zuzulassen bzw. auf Anweisung und unter Aufsicht selbst durchzuführen.

    Einen Hoffnungsschimmer gibt es - guckst Du hier:

    Quelle: Ärzte gegen Tierversuche
    (http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/infos/kosmetik-chemikalien/892)

    China soll auf Kosmetik-Tierversuche verzichten
    Mammutaufgabe für die ECEAE

    In China werden immer noch Tierversuche durchgeführt, die in anderen Ländern längst verboten sind. Die chinesische Regierung akzeptiert keine tierversuchsfreien Testmethoden, die in der EU und anderswo anerkannt sind, und lässt nicht nur altbewährte Inhaltsstoffe, sondern selbst Kosmetik-Fertigprodukte noch mal an Tieren testen. Die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE), bei der die Ärzte gegen Tierversuche Mitglied sind, hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, mit dem Ziel, Peking zur Aufgabe dieser starren Haltung zu bewegen.

    Die Vorgaben in China bedeuten, dass Firmen, die in dort verkaufen wollen, nicht auf der Kosmetik-Positivliste der ECEAE, dem Humane Cosmetics Standard (HCS), sein können.

    Die ECEAE hat nun im Schulterschluss mit führenden Kosmetik-Firmen eine Arbeitsgruppe gegründet, mit dem Ziel, Überzeugungsarbeit in China zu leisten. Die chinesische Regierung soll dazu gebracht werden, weltweit anerkannte tierversuchsfreie Methoden zu akzeptieren und die Forderung, Kosmetika und Rohstoffe an Tieren zu testen, deren Sicherheit längst erwiesen ist, aufzugeben.

    Ein erstes Treffen der Task Force fand unlängst bei der britischen Tierversuchsgegnerorganisation BUAV in London statt. Die Europäische Kommission soll ebenfalls mit ins Boot geholt werden. Erste Anzeichen, dass China sich tierversuchsfreien Testmethoden öffnen will, gibt es bereits.

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    1. Da hat sich ja jemand genau informiert, das finde ich gut. :-)

      Die neuesten Nachrichten sagen sogar, dass die erste Alternativtestmethode noch in diesem Jahr in China eingeführt werden soll. Genaueres darüber kann man auf dem Blog von PETA lesen: http://www.peta.org/b/thepetafiles/archive/2012/05/07/china-to-approve-first-non-animal-cosmetics-test.aspx

      Auf jeden Fall tut sich da etwas und das sind defintiv gute Nachrichten.

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